Umweltzentrum Münster
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26.10.2003
PRESSEMITTEILUNG

Atomkraftgegner protestieren mit "Mobiler Demonstration" bundesweit gegen die Atomwirtschaft

Lange Bahnfahrten können manchmal recht trist sein. Doch an diesem Samstag überraschten Atomkraftgegner die Bahnreisenden mit bunten und vielfältigen Protestaktionen. Im ganzen Bundesgebiet haben am Samstag, den 25.Oktober 2003, Atomkraftgegner mit einer "mobilen Demonstration" unter dem Motto "Schönes Wochenende - Bahnfahren gegen die Atomwirtschaft" in hunderten Zügen demonstriert. ( http://www.wirsindamzug.de )

Bei dieser neuen Aktionsform der "mobilen Demonstration" verzichteten die Atomkraftgegner auf einen zentralen Treffpunkt und setzten auf dezentrale, aber zeitgleiche Aktionen: In den Zügen und Bahnhöfen der Deutschen Bahn bewegten sich Gruppen von Atomkraftgegnern den ganzen Tag durch die Bundesrepublik. Mit einfallsreichen und überraschenden Kleingruppen-Aktionen sollte so auf die Verwicklungen der Deutschen Bahn AG in das internationale Atomgeschäft aufmerksam gemacht werden.

Die Deutsche Bahn AG, die selbst Anteile am Atomkraftwerk Neckarwestheim besitzt, ist mit ihrer Tochterfirma Nuklear Cargo einer der größten Profiteure im europäischen Atomgeschäft. Diese führt die Transporte mit hochradioaktiven Atommüll (Castor-Transporte) in die Plutoniumfabriken in La Hague (F) und Sellafield (GB) sowie von dort ins Atommüll-Zwischenlager Gorleben durch. Daneben transportiert die Bahn auch Uran in die Anreicherungsanlage in Gronau sowie von dort via Rotterdam nach Russland und versorgt so weltweit Atomkraftwerke mit nuklearem Brennstoff.

Bereits im Vorfeld hatten rund Gruppen aus rund 25 Städten Protestaktionen angekündigt, in vielen grösseren Städten machten sich gleich mehrere Gruppen in verschiedene Richtungen auf den Weg. Andere Gruppen verabredeten über das Internet Treffpunkte und schlossen sich spontan zu Protestgruppen zusammen. In den Zügen verteilten sie Flugblätter und kleine Geschenke (z.B. kleine Packungen mit "Brennelementen" zur "dezentralen Lagerung") an die Reisenden, entrollten Transparente oder machten durch kleine Theateraktionen und Musik darauf aufmerksam,das Atommülltransporte der Bahn auf fast allen Strecken kreuz und quer durch das Land fahren, ohne dass es eine Lösung für den hochradioaktiven Müll gibt, der jeden Tag in den Atomkraftwerken anfällt. So kam es auch in vielen Zügen zu interessanten und angeregten Diskussionen zwischen Reisenden und Atomkraftgegnern.

Immer wieder trafen sich die Kleingruppen zu gemeinsamen Aktionen in den Bahnhöfen; in der Halle des Hannoveraner Bahnhofs wurde sogar - zur Überraschung der wartenden Bahnreisenden - sogar ein Theaterstück aufgeführt, an dem sich spontan Atomkraftgner aus verschiedenen Städten beteiligten.

In Lauterbourg bei Karlsruhe (wo die Castorbehälter auf dem Weg nach Gorleben von Frankreich nach Deutschland die Grenze überqueren) kamen dutzende von Gruppen aus Süddeutschland aus allen Himmelsrichtungen zusammen und trafen sich mit französischen Atomkraftgegnern zu einer Kundgebung. Auf dem Göttinger Bahnhofsvorplatz fand unter dem Motto "Tanz dem Castor" am Nachmittag ein Konzert im Rahmen des Aktionstages statt.

Die Atomkraftgegner sehen diese erste "mobile Demonstration" als großen Erfolg und als gelungenen Auftakt der Proteste gegen den in der zweiten Novemberwoche erwarteten Castor-Transport nach Gorleben. Auch dann sollen Protestaktionen entlang der gesamten Castor-Transportstrecke den Widerstand gegen den Wahnsinn der Atomenergienutzung deutlich bemerkbar machen.