Celler Forum gegen Atomenergie

20.10.2003
PRESSEMITTEILUNG

Mobile Demonstration
Auftakt der Proteste gegen den Castor-Transport


Mit einem Novum startet die Anti-AKW-Bewegung am kommenden Samstag die Protestaktionen gegen den bevorstehenden Castor-Transport nach Gorleben. Mit einer „mobilen“ Demonstration in den Regionalzügen und auf den Bahnhöfen soll am 25.10.2003 ein deutliches Zeichen für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen gesetzt werden. Viele Kleingruppen wollen mit dem „Schöne-Wochenend-Ticket“ das Streckennetz der Bahn „unsicher“ machen, Informationen an Bahnreisende verteilen und auf Bahnhöfen für unerwartete Aufläufe sorgen. Der Aufruf zu den dezentral organisierten Protesten ging von einem Bündnis verschiedener Initiativen aus, die sich unter dem Motto „Wir sind am Zug“ zusammengeschlossen haben.

Warum im Vorfeld des Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben gerade die Bahn zum Aktionsfeld der Anti-Atom-Initiativen werden soll, erläuterte auf einem Treffen in Celle die Sprecherin Monika Müller: „Die Bahn ist ein wichtiges Glied in der Atommüllspirale. In ihrem Atomkraftwerk Neckarwestheim produziert die Bahn hochradioaktiven Atommüll. Weil niemand weiß wohin damit, fährt sie ihn und den strahlenden Müll anderer AKWs in CASTOR-Transporten durch die Gegend.

Nach Frankreich, nach England, nach Ahaus oder begleitet von tausenden Sicherheitskräften nach Gorleben.“ Auch darüberhinaus sei die Bahn mit ihrer Tochterfirma Nuklear Cargo einer der größten Profiteure des Atomgeschäfts: „Damit die Atomkraftwerke weltweit weiterlaufen können, schafft die Bahn z.B. fast wöchentlich Uran in die Urananreicherungsanlage nach Gronau.“

Die AKW-Gegner hoffen, in den Bahnreisenden interessierte Ansprechpartner zu finden. Monika Müller: „Es kann einem Bahnreisenden ja durchaus passieren, dass sein Zug einen Atommülltransport überholt oder im Bahnhof neben ihm steht. Es geht uns nicht darum, mit Ängsten zu spielen. Aber die Bahnunfälle der letzten Jahre machen deutlich, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nicht gibt.“

Auch wollen die AKW-Gegner mit ihren Aktionen darauf hinweisen, dass sich das Risiko eines GAUs in Deutschland durch den sogenannten Atomkonsens nicht um ein Promille verringert hat, sondern im Gegenteil mit jedem Tag steigt, den die Atomkraftwerke weiter betrieben werden. Monika Müller hofft, dass die völlig ungelöste Endlagerfrage mit den Protesten gegen den Castor-Transport wieder an Gewicht gewinnt.

„Es ist leider heute in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt, dass bei dem, was jetzt als Atomausstieg verkauft wird, noch einmal soviel Atommüll produziert wird, wie in den bisherigen 30 Jahren kommerzieller Atomwirtschaft in Deutschland angefallen ist.“

Eine zentrale Aktion ist während der „Mobilen Demonstration“ nicht vorgesehen. Am Göttinger Bahnhof wird es ein Abschlusskonzert geben. Über die verschiedenen Kleingruppenaktivitäten vernetzten sich die Atomkraftgegner im Internet. Ein Blick auf die Seiten von www.wirsindamzug.de gibt einen kleinen Einblick in die Vielfalt der geplanten Aktionen.